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Da die Schätzung der unbezahlt geleisteten Überstunden eher vorsichtig ausfällt,
ist davon auszugehen, dass die Zahlen in Wahrheit noch weit höher ausfallen.
In Zeiten der Wirtschaftskrise und drohendem Arbeitsplatzverlust verschärft
sich die Lage nochmals. Die Berner Zeitung schreibt in ihrer Online-Ausgabe in einem
Artikel vom 24.03.2009: "Angst vor Jobverlust: Schweizer schieben Überstunden
wie nie"1).
Eine wirtschaftswissenschaftliche Studie2)
an der Humboldt Universität zu
Berlin (siehe Anger 2006) hat herausgefunden, dass unbezahlte Überstunden umso
mehr zunehmen, je höher die Arbeitslosigkeit einer Region ist.
Aber die konkrete Angst vor Arbeitsplatzverlust ist nicht die alleinige Ursache dafür,
dass nicht mehr nur länger Top-Führungskräfte regelmässig eine 60-Stunden-Woche
schieben, sondern auch zunehmend Angestellte im unteren und mittleren Management.
Die Wirtschaftswissenschaftlerin Dr. Bärbel Kerber3)
geht in ihrem Buch "Die Arbeitsfalle"
den Rahmenbedingungen der neuen Überstundenkultur auf den Grund.
Einen Einfluss haben beispielsweise die in den 1990er Jahren flächendeckend in
Unternehmen eingeführten neuen Managementkonzepte wie "Lean Management",
"Business Reengineering" oder die Einführung von "Vertrauensarbeitszeit",
d.h. die Abschaffung von Arbeitszeit-Erfassungssystemen und die Einführung von
Profitabilitätskennzahlen als vorrangigem Mitarbeiter-Beurteilungskriterium.
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27.10.2010 - cmz
Fussnoten:
1)
siehe hierzu: Berner Zeitung
2)
Anger, S. (2006): Overtime Work in Germany - The Investment Character of Unpaid Hours.
Aachen: Shaker.
3)
Kerber, B. (2005): Die Arbeitsfalle - und wie man sein Leben zurückgewinnt.
Strategien gegen die Selbstausbeutung und für ein wertvolles Leben.
Regensburg/Berlin: Walhalla.
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Wenn man eine Kerze an beiden Seiten anzündet, mag sie eine Zeit doppelt so viel Licht spenden
- aber sie ist auch doppelt so schnell abgebrannt!
(Myron Rush)
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