"Bestand im Zeitalter der Industrialisierung im 19. Jahrhundert vor allem die
Gefahr der Entfremdung von der Arbeit und der Fremdausbeutung, droht mittlerweile
in der Dienstleistungsgesellschaft des 21. Jahrhunderts plötzlich das Gegenteil:
die Selbstausbeutung." (Kerber1) 2005, S. 28)
Das, was Kerber populärwissenschaftlich-pointiert beschreibt, wird im
arbeitssoziologischen Kontext unter dem Terminus "Subjektivierung von Arbeit" gefasst.
In einem Buch mit dem gleichnamigen Titel schreiben die Wissenschaftler
Prof. Dr. Moldaschl und Prof. Dr. Voss2):
"[Die] steigende[n] Gestaltungsfreiheiten [erweisen] sich nun immer mehr als
systematische Gefährdungen neuer Art für Betroffene (..), (..) die Gewährung von
Autonomie [wird] zu einer neuen und, weil nur schwer zu durchschauenden,
effizienteren Herrschafts- und Ausbeutungstechnik (..)."
(Moldaschl & Voss 2002, S. 14).
In diesem Zusammenhang ist von der "Internalisierung von Marktmechanismen",
der "Selbst-Ökonomisierung" und "Selbst-Rationalisierung" die Rede.
Es braucht also nicht eine "Burnout-Persönlichkeit" als zwingende Grundlage,
um im Arbeitskontext frühzeitig ein Prinzip der Selbstausbeutung zu praktizieren.
Wenn allerdings zu den o.g. Rahmenbedingungen der Arbeit eine solche
Persönlichkeitsstruktur hinzukommt, fällt eine gesunde Distanzierung von der
eigenen Arbeitstätigkeit umso schwerer.
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27.10.2010 - cmz
Fussnoten:
1)
Kerber, B. (2005): Die Arbeitsfalle - und wie man sein Leben zurückgewinnt.
Strategien gegen die Selbstausbeutung und für ein wertvolles Leben.
Regensburg/Berlin: Walhalla.
2)
Moldaschl, M. & Voss, G. G. (Hrsg.) (2002): Subjektivierung von Arbeit.
(Arbeit, Innovation und Nachhaltigkeit, Band 2).
München und Mehring: Rainer Hampp Verlag.
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