Dabei wurde deutlich: Es herrscht Druck auch
ohne Zwang. Weil die Beschäftigten statt eines Zeitsolls nun ehrgeizige
Zielvorhaben zu erfüllen haben, arbeiten sie länger - nicht, weil ihr
Vorgesetzter es fordert, sondern weil sie fürchten, das erwartete Ergebnis
nicht zu schaffen, weil jeder weiss, dass er riskiert, Opfer von Outsourcing,
Personalabbau oder eines Karriereknicks zu werden, sofern er die
Erwartungen nicht erfüllt." (Kerber1) 2005, S. 18f.)
Ähnlich förderlich für die eigene Selbstausbeutung hätten sich Managementkonzepte
wie "Lean Management" ausgewirkt, deren Resultate aus flacheren Unternehmenshierarchien
und damit mehr Verantwortung für den Einzelnen bestünden. Dies habe zur Folge,
dass der Einzelne bestrebt sei, jede Entscheidung und ihre Zahlen- bzw.
Informationsgrundlage doppelt und dreifach zu prüfen, um sich gegen Fehlentscheidungen
abzusichern, was wiederum ein Anschwellen des Arbeitsvolumens mit sich bringe.
Flankiert werden diese organisationsstrukturellen durch weitere Erfordernisse und
Ansprüche, die die Globalisierung und die Fortschritte der digitalen Technik mit sich
bringen. Dazu Kerber1) (2005, S. 25):
"Wenn der Kollege in San Francisco nun erst ins Office kommt, wenn ich eigentlich
Büroschluss hätte, führe ich das Telefonat eben nach dem Abendessen von zu Hause aus.
Die Globalisierung beschert uns so manche Besprechung zu verrückten Nachtstunden."
- Oder wie der Soziologe Ulrich Beck es formuliert: "Im Land der Globalisierer geht
die Sonne nie unter."
Fussnoten:
1)
Kerber, B. (2005): Die Arbeitsfalle - und wie man sein Leben zurückgewinnt.
Strategien gegen die Selbstausbeutung und für ein wertvolles Leben.
Regensburg/Berlin: Walhalla.
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