|
Dass es diesen Zusammenhang bzw. diesen Puffer-Effekt gibt, ist also unbestritten.
Nur warum soziale Unterstützung so gut als Stress-Puffer wirkt und über
welchen "Wirkungspfad" dies verläuft, darüber gibt es unterschiedliche
wissenschaftliche Ansichten, unterschiedliche Wirksamkeitsmodelle.
Es wird u.a. vermutet, dass soziale Unterstützung den Selbstwert, die Motivation,
die Erfolgserwartung und die Verfügbarkeit eigener Fähigkeiten erhöht, behindernde
emotionale Erregung reduziert und die Einschätzung von Stress und den eigenen
Fähigkeiten positiv verändert, ferner positiven Einfluss auf das
Problemlösungsverhalten der Person nimmt, ihr Wohlbefinden unmittelbar steigert und
sie damit negative Ereignisse leichter ertragen und bewältigen lässt
(vgl. Wolf 1998 1), S. 63f.).
Darüber hinaus hat soziale Unterstützung einen Einfluss auf gesundheitsrelevantes
Verhalten, d.h. beispielsweise eine gesunde Ernährung, körperliches Training,
die Einnahme erforderlicher Medikamente oder das Aufsuchen professioneller
Hilfe (vgl. Wolf 1998 1), S. 64).
Als wesentlicher Wirkfaktor für diese positiven Effekte von sozialer Unterstützung
auf das Stresserleben und die Stressbewältigung kommt u.a. die Vermittlung von
Autonomie an den Unterstützten und das Erleben von Verbundenheit zu anderen Personen
in Frage. In jedem Falle stellt soziale Unterstützung eine essentielle
Ressource zur Stressbewältigung dar und wird daher auch als "soziale Ressource"
bezeichnet. Fatalerweise laufen gerade Burnout-Betroffene Gefahr,
diese "Sorte" von Stressbewältigungs-Ressourcen vollkommen zu vernachlässigen.
Erst vielleicht aus Zeitgründen, weil sie sich stark mit ihrer Arbeit
identifizieren und sie wichtiger als alles andere nehmen, später dann
(in einem fortgeschrittenen Burnout-Stadium), weil sie mittlerweile erschöpft,
müde und überfordert den totalen sozialen Rückzug antreten.
In einigen Berufsgruppen wird bereits in der Aus- und Weiterbildung
(z.B. bei Krankenpflegern, Lehrern) auf das Burnout-Thema aufmerksam gemacht und
berufliche soziale Unterstützung in Form von themenbezogenen Gesprächskreisen und
Selbsthilfegruppen organisiert.
Eigene Interessen und Hobbies pflegen
Erfolgserlebnisse, Kompetenzerleben oder schlicht die Freude an einer gerade
ausgeführten Tätigkeit sind Kernaspekte freiwillig betriebener Freizeithobbies und
aktiv verfolgter Interessen. Derartige Gefühlskomponenten sind eine Ressource bei
der Stressbewältigung, indem sie - sofern regelmässig betrieben - einen emotionalen
Ausgleich zu den als negativ und belastend wahrgenommenen Stresssituationen am
Arbeitsplatz schaffen. Die Erholungskomponente ist bei Hobbies, die Freude bereiten
und ohne übertriebenen Leistungsanspruch den Geist und die Seele in optimaler
Weise anregen, deutlich höher, als wenn man die gleiche Zeit beispielsweise passiv
vor dem Fernseher verbringt.
zurück
weiter
Seite:
1
2
3
03.12.2010 - cmz
Fussnoten:
1)
Wolf, I. A. (1998): Effekte von Stress, sozialer Unterstützung und
Persönlichkeitsvariablen auf psychisches Befinden. Dissertation Universität Marburg.
|
|