burn-out

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Burnout (engl. "to burn out" = "ausbrennen") ist ein Sammelbegriff und steht für einen
emotionalen, geistigen und körperlichen Erschöpfungszustand, der durch eine
Antriebs- und Leistungsschwäche gekennzeichnet ist und typischerweise
am Ende eines monatelang oder sogar jahrelang andauernden
"Teufelskreises" aus Überarbeitung und Überforderung steht

Das Burnout-Syndrom: "Mode-Diagnose" oder wahrhaftige "Epidemie" unserer Zeit?  (Fortsetzung)

Seit der zehnten Auflage der "Internationalen Klassifikation der Erkrankungen" der Weltgesundheitsorganisation (WHO), dem sog. ICD-10, wird Burnout als "Ausgebranntsein" und "Zustand der totalen Erschöpfung" mit dem Diagnoseschlüssel Z73.0 erfasst. Der Abschnitt Z umfasst "Faktoren, die den Gesundheitszustand beeinflussen und zur Inanspruchnahme des Gesundheitswesens führen", der Unterabschnitt Z73 beinhaltet "Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung".

Das Burnout-Syndrom gilt nach diesem Klassifikationssystem nicht als eigenständige Krankheit, wurde aber als möglicher Einflussfaktor für die Entstehung von Krankheiten anerkannt und kann seitdem auch in "offizielle" ärztliche Diagnosen mitaufgenommen werden. Im Leistungskatalog deutscher Krankenkassen wird Burnout allerdings nicht aufgeführt, weshalb Ärzte, die Patienten mit dem Burnout-Syndrom behandeln, für die Abrechnung i.d.R. auf andere und als Krankheit anerkannte Diagnosen wie Depression, Neurasthenie, Anpassungsstörungen, Angststörungen oder das Chronische Müdigkeitssyndrom ausweichen.

Die in verschiedenen Studien konstatierte zunehmende Verbreitung des Burnout-Syndroms und anderer psychischer Erkrankungen, die zu Arbeitsausfällen in Organisationen führen, könnte somit nicht allein an den zunehmenden Belastungen des modernen Arbeitslebens liegen, sondern zum Teil auch daran, dass mittlerweile viele Betriebs- und Hausärzte für derartige Erkrankungen sensibilisiert worden sind und sie entsprechend häufiger entdecken bzw. richtig diagnostizieren. Ebenso könnte sich nach Einschätzung des Arbeitspsychologen Prof. Dr. Ulich 1) die Bereitschaft auf der Seite der Betroffenen verändert haben, wegen psychischer Probleme eine zuständige Instanz aufzusuchen. Die Tatsache, dass ein Burnout-Syndrom also kein Tabu mehr darstellt, indem es Betroffene als psychisch labil stigmatisiert, sondern mittlerweile gewissermassen als gesellschaftlich anerkannt gilt, könnte zum beobachteten "Burnout-Hype" beigetragen haben.

Der Psychologe Björn Husmann 2) macht in einem kritischen Artikel auf die Nutzniesser des medialen Burnout-Hypes aufmerksam:

"Die Presse nutzt den Wiedererkennungswert oder greift die hohe Erkrankungsrate auf und macht daraus eine Schlagzeile. (...) Medien (..) mischen 'gefühlte Gefahr', 'spannende' Berichterstattung und Fakten: Der Stern (30/07) liess z.B. Experten sprechen: Burnout sei wie eine 'Epidemie' und 'das Burnout-Gefühl' würde sich besonders unter Menschen zwischen 30 bis 55, wie die Grippe im Februar verbreiten. Davon wären längst nicht mehr nur Gutverdiener oder eine Avantgarde aus den Bereichen 'social work', Management oder kreative Berufe betroffen, sondern Untersuchungen belegen vielmehr, dass insbesondere solche Menschen am Erschöpfungssyndrom erkranken würden, deren Tätigkeit durch wenig Entscheidungsfreiraum plus geringe Einflussmöglichkeiten bei gleichzeitig starkem Druck gekennzeichnet ist (high demand, low influence). Das macht das Thema auch für die sich stark fremdbestimmt fühlenden, sog. 'kleinen Angestellten' interessant und gibt den Medien somit Gelegenheit, sich mit einer grossen Gruppe von Werktätigen gesundheitsbewusst zu solidarisieren. (...) Insofern ist das Thema also nicht nur aufgrund seines die Auflage steigernden Wiedererkennungswerts en vogue, sondern auch deshalb dankbar, weil Medien u.a. sich mit ihm sowohl kritisch-aufklärerisch als auch gleichzeitig modern-psychologisch-gesundheitsbewusst inszenieren können. (...) Diese Art des Medienechos führt wiederum zu einem gewissen Hype mit der Folge, dass Burnout zu einem geflügelten Wort der Alltagssprache wird. Viele Menschen identifizieren sich dabei eher intuitiv, weil sie sich häufig erschöpft fühlen. Anderen reicht ein oberflächliches Verständnis - sarkastisch ausgedrückt: auf demselben 'küchenpsychologischen' Niveau wie mancher 'Mittagstalk' -, um bei jedem etwas grösseren 'Hänger' ein beginnendes Burnout zu beklagen. Der sekundäre Krankheitsgewinn lässt grüssen." (Husmann 2008, S. 41f.)
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21.11.2012 - cmz


Fussnoten:

1) Ulich, E. (2008): Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz. In: Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen (Hrsg.): Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz in Deutschland, Berlin: BDP, 22.4. 2008, S. 8-15.

2) Husmann, B. (2008): "Burnout ist, wenn die Selbstheilungskräfte falsch abgebogen sind..." Wie chronische seelische Kränkungen zum Erschöpfungssyndrom führen und wie Achtsamkeitsförderung der Salutogenese neuen Auftrieb geben kann. In: Entspannungsverfahren 2008, Ausgabe 25, S. 39 - 88.